Bechsteinfledermaus

Myotis bechsteinii

Aussehen

Die Bechsteinfledermaus ist eine mittelgroße Fledermausart mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 45 bis 55 mm, einer Spannweite von 250 bis 286 mm und einem Gewicht von 7 bis 13,6 Gramm. Zu erkennen ist sie an ihren langen relativ breiten Ohren, ihrem langem Fell, welches an der Haarbasis dunkel bis graubraun gefärbt ist. Die Oberseite ist fahl bis rötlichbraun, die Unterseite hellgrau und der Tragus (Ohrdeckel) lang, lanzettförmig und erreicht etwa die halbe Ohrlänge.

Verbreitung und Lebensraum

Die Bechsteinfledermaus kommt in ganz Mitteleuropa vor mit dem Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland, wo sie als typische Waldfledermaus gilt. So werden als Habitate naturnahe, mehrschichtige, geschlossene Laubwälder, Eichen- und Buchenmischwälder mit viel Alt- und Totholz und mit kleineren Wasserläufen und Lichtungen bevorzugt. Als Nahrung dienen der Bechsteinfledermaus vorwiegend nicht fliegende oder flugunfähige Insekten, welche im Rüttelflug von Pflanzen abgesammelt werden. Das Jagdgebiet befindet sich in Wäldern, auf Streuobstwiesen oder halboffene Landschaften im Bereich der Baumkronen etwa in einem Kreis von 1,5 bis 3 km von den Wochenstuben entfernt. Selten liegt das Jagdgebiet auch 8 km entfernt.

Biologie und Lebensweise

Die charakteristischen Rufe der Bechsteinfledermaus liegen bei 41 bis 48 kHz. Im Sommer befinden sich die Wochenstubenquartiere in Baumhöhlen von zum Beispiel Spechten, oder in Fledermauskästen oder Vogelhäusern. Einzelne Tiere benutzen auch Felshöhlen oder Spalten hinter Baumrinde, wobei selten Gebäude als Quartiere verwendet werden. Die Wochenstuben bestehen aus kleineren Untergruppen, daher sollte ein hohes Quartierangebot von bis zu 50 Baumhöhlen im Sommer vorhanden sein zwischen denen ein häufiger Quartierwechsel vorherrscht. Ein Quartierwechsel erfolgt alle ein bis zwei Tage. Die Wochenstuben können sehr klein sein mit weniger als 10 Weibchen oder groß mit bis zu 80 Weibchen, wobei durch die häufigen Quartierwechsel sich die Wochenstuben täglich neu zusammen setzten. Die Männchen leben hingegen einzeln.

Gefährdung

Gefährdet ist die Bechsteinfledermaus durch Quartierverluste verursacht durch starke forstwirtschaftliche Nutzung der Wäldern zum Beispiel durch die Entfernung von Altbaumbeständen und Hohlräumen. Die Reduzierung von Leitelementen im Offenland wie Hecken, Feldgehölze oder Baumreihen stellen eine Gefährdung der Kolonien dar, da ihnen dadurch eine Verbindung zwischen den Jagdgebieten und Wochenstuben fehlt. Ebenfalls werden die natürlichen Jagdgebiete wie mehrschichtige Laubwälder und stufenreiche Waldränder immer mehr reduziert. Durch den Einsatz von Insektiziden steht den Tieren einerseits weniger Nahrung zur Verfügung und andererseits reichern sich die Giftstoffe im Körper der Arten an. Eine weitere Gefahr geht von Straßen aus, wo immer wieder Bechsteinfledermäuse Verkehrsopfer werden.

In Deutschland gilt die Bechsteinfledermaus als stark gefährdet und nach der IUCN ist sie als „near threatened“ fast bedroht eingestuft.

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