Kreuzotter

Vipera berus

Aussehen

Die Kreuzotter ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern. Sie erreicht eine Durchschnittslänge von 50 bis 70 cm, wobei die Weibchen deutlich länger werden als die Männchen. Arttypisch ist ein dunkles Zickzackband auf dem Rücken, das in seiner Breite variiert und wellen- oder rautenförmig ausfallen kann. Selten können auch einzelne Querstreifen auftreten. Die Färbung der Tiere ist sehr variabel, wobei in den meisten Populationen ein sexueller Dichromatismus auftritt; Männchen sind dabei meist in unterschiedlichen Grautönen gefärbt und das Band auf dem Rücken ist deutlicher abgesetzt als bei den Weibchen. Diese sind meist braun, rot oder beige gefärbt. Eine weitere Farbvariante stellen einfarbig schwarz oder kupferfarben gefärbte Tiere dar. Der in der gleichen Farbe wie der Rest des Körpers gefärbte Kopf weist am Hinterkopf eine X- oder V-förmige Zeichnung mit zum Kopf weisender Spitze auf. Die Iris ist rot mit senkrechter Pupille. Der Körper der Schlange ist gedrungen und der Kopf eher weniger deutlich vom Körper abgesetzt, oval und am Hinterkopf aufgrund der dort sitzenden Giftdrüsen leicht verbreitet. 

Verbreitung und Lebensräume

Die Kreuzotter hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet und kommt auch in sehr nördlichen Breitengraden vor. Sie ist in Mittel- und Nordeuropa bis nach Lappland, den Alpen, Griechenland, dem nördlichen Russland, bis nach Ostasien und Nordkorea verbreitet. In Deutschland kommt sie im Norddeutschen Tiefland, den östlichen Mittelgebirgen und in Teilen Süddeutschlands vor.

Als Lebensraum bevorzugt sie Habitate mit hohen Niederschlägen, hoher Luftfeuchtigkeit, starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und einer hohen Dichte an Randstrukturen mit Versteckmöglichkeiten und sonnenexponierten Plätzen. Deshalb werden vor allem Waldschneisen und -ränder mit einem hohen Anteil an Zwergsträuchern, Moore, Heiden und im alpinen Raum Geröllfelder und Bergwiesen besiedelt.

Biologie und Lebensweise

Kreuzottern sind tagaktiv und suchen sowohl morgens als auch am späten Nachmittag Sonnenplätze auf, um ihre Aktivitätstemperatur zu erreichen. Als Anpassung an kältere Lebensräume kann sie ihre Rippen aktiv abspreizen, um ihre Körperoberfläche zu vergrößern und mehr Wärme aufzunehmen.

Im Winter, ab Oktober, zieht sie sich, oft mit mehreren Artgenossen, in ein passendes Versteck zurück und verfällt dort in eine Kältestarre. Ab Mitte Februar bis April erscheinen sie wieder im Freien, wobei die Männchen etwa zwei Wochen vor den Weibchen auftauchen. Von April bis Mai paaren sich die Tiere, wobei die Weibchen nur alle zwei Jahre paarungsbereit sind. Wie auch die Waldeidechse gehören Kreuzottern zu den ovoviviparen Reptilien, was ihr die Verbreitung auch oberhalb des nördlichen Polarkreises erlaubt. Nach der Tragzeit kommen fünf bis 15 Junge von August bis Oktober in einer dünnen Eihaut zur Welt, die sie kurz darauf durchstoßen.

Als Lauerjäger fängt die Kreuzotter, abhängig vom lokalen Angebot, vor allem Kleinsäuger, Eidechsen und Frösche, die mit durch einen Biss injiziertes Gift getötet werden. Fressfeinde der Kreuzotter sind vor allem Greifvögel und Säugetiere, aber auch andere Reptilien. 

Gefährdung

Die Kreuzotter wird auf der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als stark gefährdet eingestuft. Gefährdet wird sie vor allem durch den Verlust ihrer Lebensräume, der durch Verbuschung oder Aufforstung von Sonnenplätzen oder die Bewirtschaftung von Heideflächen und Wäldern zustande kommt. Auch die zunehmende Fragmentierung von Wäldern und damit einhergehende genetische Isolation von Populationen spielt eine zunehmende Rolle. Aufgrund von früheren massenhaften Tötungen der Tiere wurde der Bestand in Deutschland stark reduziert und erholt sich nur langsam.

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