Fransenfledermaus

Myotis nattereri

Die Fransenfledermaus ist eine mittelgroße Fledermausart in Europa mit einer Flügelspannweite von 245-280 mm, einem Gewicht von 5-12 g und einer Kopf-Rumpf-Länge von 40-55 mm. Farblich ist sie auf der Oberseite hellgraubräunlich und auf der Unterseite fast komplett weiß. Sie ist die einzige Fledermausart mit einem S-förmig geschwungenen Sporn und ihr Name stammt vermutlich von ihren kleinen Borsten an der Schwanzflügelhaut ab. Die Hauptfrequenz liegt bei 50 kHz.

Fransenfledermäuse gelten als ortstreu, wobei sich die Sommerquartiere in Gebäuden oder Baumhöhlen befinden. So werden Wochenstubenquartiere in Hohlräumen von Außenwandverkleidungen, in Zwischenwänden von Häusern, hohlen Decken und an Wänden von Kuhställen gefunden. Dabei wird das Quartier 1-2 mal pro Woche gewechselt. Der Wochenstubenverband besteht aus 30-80 Individuen, kann aber sogar bis zu 200 Weibchen enthalten. Die Männchenkolonien bestehen in der Regel aus 30 Tieren. Das Höchstalter bei den Weibchen liegt bei 17,5 Jahren und bei den Männchen bei 21,5 Jahren.

Die Winterquartiere sind maximal 185 km von den Sommerquartieren entfernt, in der Regel beträgt die Distanz allerdings eher 80 km. In der kälteren Jahreszeit halten sich die Tiere in unterirdischen Hohlräumen auf wie Höhlen, Bunkern oder alten Kellergewölben, wo die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt sinkt. Es wurden allerdings auch Fledermäuse mit Erfrierungen an den Ohren beobachtet, was zeigt, dass sie sich auch in nicht frostsicheren oberirdischen Baumhöhlen aufhalten.

Als Nahrungsquelle dienen Zweiflügler (Fliegen), Schmetterlinge, Käfer, Webspinnen oder Weberknechte. Die Insekten werden entweder mit der Schwanzflughaut von Pflanzen und vom Boden aufgesammelt oder im Flug gefangen in einer Höhe von 1-2 m über den Boden. Ein besonderes Jagdverhalten der Fransenfledermaus wurde in Kuhställen beobachtet, wo die Tiere sich an kopulierenden Fliegen orientieren und diese gezielt von den Wänden absammeln.

Das bevorzugte Jagdgebiet befindet sich allerdings im Wald, in strukturierten Landschaften mit Baumgruppen (Knicks, Alleen, Obstgärten, Parks, Friedhöfe) oder über dem Wasser bis zu 4 km vom Quartier entfernt.

Die Fransenfledermaus ist durch Habitatverluste wie Rodungen und Abriss von Gebäuden bedroht, wodurch ihr weniger Nahrung und weniger Quartiere (Baumhöhlen) zur Verfügung stehen. Außerdem betrifft sie der vermehrte Einsatz von Insektiziden, wodurch einerseits weniger Insekten zu finden sind und andererseits sich die aufgenommenen Giftstoffe im Körper der Tiere anreichern.

In Europa wird die Fransenfledermaus laut IUCN in die Kategorie „last concern“ (nicht gefährdet) eingestuft und bundesweit als ungefährdet.

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