Großes Mausohr

Myotis myotis

Das große Mausohr gehört mit einem Gewicht von 28-40 g, einer Flügelspannweite von 350-430 mm und einer Kopf-Rumpf-Länge von 67-79 mm zu den größten Fledermausarten Deutschlands. Sie hat große Ohren, eine lange breite Schnauze, einen rotbraunen Rücken und einen weißen Bauch. Ein Erkennungsmerkmal ist der Tragus (Ohrdeckel), welcher an der Basis breit ist, sich dann zuspitzt und insgesamt fast eine halbe Ohrlänge lang ist. Es besteht eine Verwechslungsgefahr mit der Breitflügelfledermaus und dem Großen Abendsegler. Ihre Rufe liegen bei einer Frequenz von 30-35 kHz.

Als Gebäudefledermaus bevorzugt das große Mausohr im Sommer insbesondere große Dachstühle von Kirchen oder anderer Gebäude, selten auch Hohlräume von Brücken, Baumhöhlen und wärmere unterirdische Räume. Dabei werden die selben Quartiere oft ein Leben lang genutzt. Die Wochenstuben bestehen meist aus 150 erwachsenen Weibchen, allerdings wurden schon Quartiere mit bis zu 2000 Tieren nachgewiesen. Ein Weibchen bekommt nach einer Tragzeit von 60-70 Tagen meist ein Junges, Zwillingsgeburten sind eher selten. Die Männchen halten sich ebenfalls vor allem in großen Dachböden, aber auch hinter Fensterläden, in Stollen, Höhlen, Baumhöhlen, Nistkästen oder Fledermauskästen auf. Dabei dienen die Männchenquartiere oft auch als Paarungsquartier, wohin die Weibchen Strecken zwischen 70-150 km zurücklegen. Zudem gibt es Ausweichquartiere, welche zum Beispiel bei schlechtem Wetter in der Nähe vom Jagdgebiet in Baumhöhlen benutzt werden. Im August wandern die ersten Tiere bis zu 200 km zu ihren Winterquartieren, welche sich in Felshöhlen, Grotten, Stollen, Kasematten, tiefen Kellern oder Tunneln befinden. Das Höchstalter des Großen Mausohrs liegt bei 25 Jahren, wobei Weibchen bis 18 Jahre noch erfolgreich Junge aufziehen können.

Die Jagdgebiete des Großen Mausohrs sind hauptsächlich unterwuchsarme Waldtypen, wo der Boden frei ist. Dies können zum Beispiel Laub-, Laubmisch- sowie Nadelwälder sein. Auch Habitate mit der selben Beschaffenheit wie Parks, Wiesen, Weiden und Ackerflächen werden als Jagdgebiete genutzt. Dabei dient dem Großen Mausohr als Hauptnahrungsquelle bodenbewohnende, große Laufkäfer, aber auch Maikäfer, Mistkäfer, Falter sowie ihre Raupen, Wiesenschnaken und Spinnen. Das Jagen im freien Luftraum spielt dabei eine geringe Rolle.

Für das Große Mausohr sind nahrungsreiche Jagdgebiete für die Jungenaufzucht essentiell. Bekannte Leitelemente wie Hecken, Bäche und Waldränder dienen ihr als Orientierung, um zu diesen Gebieten zu gelangen. So stellt besonders die forst- und landwirtschaftliche Nutzung ein Problem dar. Durch die Vergrößerung der Ackerflächen und somit der Zerstörung von Leitelementen können sich die Tiere schlechter orientieren, um zu ihren gewohnten Jagdgebieten zu gelangen. Der Anbau von nicht heimischen Baumarten kann zu einem eingeschränktem Insektenreichtum im Wald führen und stellt somit ein verringertes Nahrungsangebot für das Große Mausohr dar. Hinzu kommt der Einsatz von Herbiziden und Insektiziden im Wald zur Bekämpfung von Schädlingen.

Außerdem ist das Große Mausohr durch Quartierverluste gefährdet, zum Beispiel durch Renovierungen, Ausbau, Abriss und Verschluss von Gebäuden oder durch Kahlschläge und somit Baumhöhlenverluste im Wald.

Ebenfalls gibt es Verluste durch Kollisionen im Straßenverkehr und Zerschneidung durch Straßenbau.

Das Große Mausohr ist europaweit nach der IUCN als „least concern“ (nicht gefährdet) eingestuft, in Deutschland steht es auf der Vorwarnliste.

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