Mopsfledermaus

Barbastella barbastellus

Die Mopsfledermaus gehört mit einem Gewicht von 6-14,2 g, einer Flügelspannweite von 262-292 mm und einer Kopf-Rumpf-Länge von 45-58 mm zu den mittelgroßen Fledermausarten Deutschlands. Namensgebens ist die kurze mopsartig gedrungene Nase. Sie hat dichtes, langes, seidiges Fell mit einer schwarzen Haarbasis und weißlich bis gelbweißlichen Haarspitzen auf der Oberseite. Die Unterseite ist dunkelgrau. Ihr Ruf besteht aus zwei alternierenden Ruftypen, welche gut erkennbar sind bei einer Frequenz von 30-35 kHz und 43 kHz.

Die Mopsfledermaus gilt als ortstreu und kommt in Mittelgebirgsregionen sowie im Tiefland vor.
Als Lebensraum dienen ihr dabei besonders gegliederte Wälder mit vielen Laubwaldarten mit vollständigem Kronenschluss und unterschiedliche Strauchschichten mit einem großen Insektenvorkommen. Außerdem nutzt sie auch mosaikartige Waldstücke, baumreiche Gärten und Parks an Randbereichen von Ortschaften. Stark genutzte Kiefern- und Fichtenwälder werden allerdings gemieden.

Die Wochenstuben befinden sich fast ausschließlich im Wald in Baumspalten, hinter abstehender Borke, toten oder absterbenden Bäumen und Ästen. Außerdem in Gebäudespalten, hinter Fensterläden, Hausverkleidungen und besonders an Scheunen. Die Wochenstubenverbände sind klein mit 10-25 Weibchen, selten bis 80. Selten kommen auch nur einzelne Weibchen oder 2-3 Weibchen mit ihren Jungen vor. Die Männchen bilden kleine Gruppen in Spaltquartieren an Bäumen oder Gebäuden.
Es werden mehrere Quartiere genutzt, wobei ein täglicher Wechsel zwischen ihnen stattfindet. Alle Tiere dieses Quartierverbundes werden zur lokalen Population gezählt, welche nur durch gutachterliche Untersuchungen festgestellt werden können.

Die Winterquartiere zählen ebenfalls zur lokalen Population. Diese unterscheidet sich allerdings zu der im Sommer, da sich unterschiedliche Tiere aus unterschiedlichen Populationen versammeln. Die Quartiere befinden sich unterirdisch im Eingangsbereich von Höhlen, Stollen und Tunneln sowie an Gewölben, in Kellern, aber auch in Gebäudespalten von Außenmauern, inneren Lehmwänden von Fachwerkhäusern oder hinter abstehender Borke von Bäumen. Die Mopsfledermaus gilt dabei als besonders kälteresistent. In den Winterquartieren kommen meist weniger als 10 Tiere vor, teils aber auch bis zu 1000. Beispielsweise wurde in der Slowakei in einem alten Eisenbahntunnel ein Winterquartier von 6800-7800 Individuen gefunden. Das Höchstalter der Mopsfledermaus beträgt 21 Jahre und 8 Monate.

Im Mai werden die Wochenstubenquartiere von den Weibchen bezogen, welche 1-2 Junge haben. Wohingegen die Männchen sich im Sommer in der Nähe der Wochenstuben einzeln oder in Gruppen aufhalten. Im August werden diese Quartiere aufgelöst und Strecken von 290 km zu den Winterquartieren zurücklegen.
Die Paarung findet hauptsächlich im Herbst statt, teilweise aber auch noch in den Winterquartieren, wo sich die Mopsfledermaus von Oktober bis Ende April aufhält. Die Weibchen treffen dabei später als die Männchen ein. Auch nach dem Winter halten sich einige Tiere in unterirdischen Gewölben oder Stollen auf.

Die Jagdgebiete der Weibchen befinden sich in Laubwäldern, wohingegen die Männchen offene Landschaften und Waldränder bevorzugen. Die Jagdgebiete sind 8 km von den Wochenstubenquartieren entfernt. Auf dem Weg zu ihnen orientiert sich die Mopsfledermaus an Leitelementen wie Hecken, Feldgehölze und Baumreihen. Gejagt werden hauptsächlich Klein-und Nachtschmetterlinge, aber auch Netzflügler, Käfer, Spinnen und Zweiflügler, vor allem im freien Luftraum dicht über den Baumkronen. Dabei gibt es zwei Flugverhalten: einmal im mäßig schnellem Flug unter- oberhalb der Baumkrone oder den schnellen Flug entlang von Waldwegen mit Abstechern in den Waldbestand in Höhen von 1,5-6 m.

Die Mopsfledermaus ist ebenfalls eine planungsrelevante Fledermausart im Bezug auf den Bau von Windkraftanlagen. So besteht die Gefahr von Verlusten durch die direkte Kollision mit Rotorblättern, aber auch die Schädigung durch Druckveränderungen im Bereich der Rotoren (Barotrauma). Ebenfalls spielt der Quartierverlust und der Verlust von Jagdgebieten eine große Rolle nicht nur beim Bau von Windkraftanlagen, sondern auch durch forstwirtschaftliche Maßnahmen, landwirtschaftliche Nutzungen (Bewirtschaftung großer Flächen), Verdichtungen und Verfüllungen. Die Folge ist der Wegfall von Leitelementen als Orientierungspunkte, Verringerung der Insekten und damit Verringerung ihrer Nahrungsgrundlage, auch durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden. Die Gifte reichern sich zudem im Fettgewebe der Tiere an und werden über die Muttermilch an den Nachwuchs weitergegeben.

Da die Mopsfledermaus Straßen mit beidseitigem Bewuchs als Flugrouten nutzt, kommt es auch zu  einer hohen Zahl an Verkehrsopfern. Hinzu kommt die Störung in Winterquartieren durch Menschen (Kletterer, Geocatching) oder durch den Bau von Radwegen durch alte Eisenbahntunnel.

In Deutschland wird die Mopsfledermaus als stark gefährdet eingestuft und europaweit nach der IUCN als „vulnerable“ (gefährdet).

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