Rauhautfledermaus

Pipistrellus nathusii

Die Rauhautfledermaus gehört mit einem Gewicht von 6-15 g und einer Flügelspannweite von 220-250 mm zu den kleinsten einheimischen Fledermausarten Deutschlands. Namensgebend ist die bis zur Mitte behaarte Oberseite der Schwanzflughaut. Von der Zwergfledermaus, sowie der Mückenfledermaus kann die Rauhautfledermaus durch ihren längeren 5. Finger unterschieden werden. Ihre Rufe klingen wie papapa-papa-papapapap und liegen bei einer Frequenz von etwa 37-41 kHz.

Als Sommerquartiere favorisiert die Rauhautfledermaus Baumhöhlen und Rindenspalten in heterogenen Wäldern von Tieflandregionen. Fledermauskästen sowie Gebäude können auch bezogen werden.  Etwa 10 bis maximal 50 min nach Sonnenuntergang verlässt die Rauhautfledermaus ihr Quartier und fliegt generell in einer Höhe von 3 bis maximal 20 m.  Sie jagt gerne an Waldrändern und Feuchtwiesen, möglichst in Gewässernähe. In urbanen Bereichen kann sie auch an Straßenlaternen und in Parkanlagen beim Jagen beobachtet werden. Die Jagdgebiete sind im Durchschnitt etwa 18 ha groß und befinden sich höchstens 6,5 km vom Quartier entfernt. Die Rauhautfledermaus erbeutet bevorzugt gewässergebundene Zweiflügler wie Zuck- und Stechmücken, sowie Schmetterlinge.

Das Verbreitungsgebiet dieser Fledermausart erstreckt sich von Europa über Kleinasien bis zum Südkaukasus. In Deutschland wurde die Rauhautfledermaus in allen Bundesländern erfasst, wobei sich die Wochenstuben eher im Nordosten befinden. Diese setzen sich aus etwa 50-200 Weibchen zusammen, teilweise können sie auch Tiere anderer Arten umfassen. Es werden meist 2 Junge geboren. Durch Wechseln zwischen räumlich nah beieinander liegenden Wochenstuben bilden sich sogenannte Quartierverbunde. Die Männchen leben unabhängig von den Weibchen und werben um diese in ihren Balzquartieren während der Zugzeit im Herbst. Dabei entstehen Paarungsgruppen aus 3-10 Tieren.

Die Rauhautfledermaus zählt mit Nachweisen von bis zu 1900 km zurückgelegter Strecke zu den Langstreckenwanderern. Auf dem Weg zu ihren Winterquartieren im südwestlichen Europa fliegt diese Fledermausart etwa 50 km/h schnell und orientiert sich meist an Flüssen. Allerdings wurde gezeigt, dass die Rauhautfledermaus auch Höhen von bis zu 3100 m problemlos überquert. Ihre Migrationsgeschwindigkeit beläuft sich auf etwa 75 km pro Nacht. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass sie zur Deckung ihres hohen Energiebedarfs während der Migration sowohl gespeicherte Fettsäuren als auch die sofort verwerteten Proteine der im Flug erjagten Insekten nutzt. Einzeln oder in Gruppen überwintern die Tiere dann von Oktober/November bis März hauptsächlich in geschützten Fels- und Gebäudespalten, sowie Holzstapeln.

Neben dem Großen Abendsegler ist die Rauhautfledermaus ebenfalls eine wichtige planungsrelevante Fledermausart im Bezug auf den Bau von Windkraftanlagen. Durch das Fliegen in großer Höhe während der Zugzeit besteht eine Gefährdung durch Kollision mit den Anlagen oder Barotrauma (Verletzung der inneren Organe, hervorgerufen durch die Luftdruckschwankungen nahe der Rotoren). 250.000 Fledermäuse verunglücken schätzungsweise pro Jahr durch Windkraftanlagen in Deutschland. Das Fehlen eines einheitlichen Monitoringnetzwerkes erschwert allerdings die Kalkulation der Anzahl an betroffenen Individuen der einzelnen Arten. Laut den Daten der zentralen Fundkartei beläuft sich die bundesweite erfasste Schlagopferzahl der Rauhautfledermaus aktuell auf etwa 28 % (958 Individuen, 3369 Schlagopfer aller Arten bundesweit). Dementsprechend kommt der Rauhautfledermaus sowohl bei der Planung von neuen Windkraftprojekten und den damit verbundenen Untersuchungen der Flächen (Quartierpotentialanalysen, Kartierungen, Netzfänge), als auch im Schlagopfer- und Gondelmonitoring bei bereits gebauten Anlagen eine wichtige Bedeutung zu. Außerdem wird diese Fledermausart durch Straßenverkehr bedroht, so dass ihr Vorkommen bei der Planung von neuen Straßen untersucht werden muss. Eine weitere mögliche Gefährdung ist neben Habitatfragmentierung, Jagdgebietsverlust und dem Einsatz von Insektiziden die Abholzung von Quartierbäumen. Deshalb muss vor einem Eingriff das Auftreten von Fledermäusen durch Experten überprüft und gegebenenfalls Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden. Gleiches gilt für potentielle Winterquartiere.

Die Rauhautfledermaus ist europaweit nach der IUCN als „least concern“ (nicht gefährdet) klassifiziert, in Deutschland wird sie ebenfalls als ungefährdet eingestuft.

Kommentare sind geschlossen.