Zauneidechse

Lacerta agilis

Aussehen

Die Zauneidechse gehört zur Familie der echten Eidechsen (Lacertidae) und ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von maximal 9,5 cm die kleinste Vertreterin der Smaragdeidechsen (Gattung Lacerta s. str.). Im deutschsprachigen Raum erreichen Zauneidechsen eine Gesamtlänge von etwa 24 cm. Im Gegensatz zur Waldeidechse wirkt sie kräftiger und hat kürzere Beine. Auch der Kopf ist massig, insbesondere beim Männchen, und recht deutlich vom Rumpf abgesetzt. Der Schwanz ist an der Wurzel höher als breit und verjüngt sich allmählich; unversehrte Schwänze sind zwischen 1,25 und 1,7 Mal so lang wie der restliche Körper. Die Grundfarbe der Zauneidechse ist braun, Zeichnung und Färbung variiert jedoch stark je nach Geschlecht, Individuum, Alter und Jahreszeit. 

Die Grundfarbe der Zauneidechse ist braun, Zeichnung und Färbung variiert jedoch stark je nach Geschlecht, Individuum, Alter und Jahreszeit.
Als Tages- oder Nachtverstecke nutzt die Zauneidechse unter anderem Baumhöhlen.

Der Rücken wird durch zwei sandfarbene (Parietal-) Bänder von den Körperseiten abgesetzt. Auf dem Rücken verlaufen drei mehr oder weniger stark aufgelöste, weiße Linienbänder. Diese werden oft von dunklen Flecken umrahmt, die sich – wie die Grundfarbe – teilweise recht schnell verändern. Dagegen sind die weißen Linien und Punkte auf dem Rücken konstant und können als Muster zur individuellen Wiedererkennung der Tiere dienen. Insbesondere jüngere Zauneidechsen haben an den Flanken sogenannte Augenflecken (Ocelli), die aus einem dunklen Fleck mit einem hellen „Auge“ in der Mitte bestehen. Alte Zauneidechsen zeigen an den Körperseiten oft nur noch dunkle Tupfen oder Marmorierungen. 

Die Flanken erwachsener Männchen sind zur Paarungszeit von Ende April bis Ende Mai leuchtend grün gefärbt.

Die Flanken erwachsener Männchen sind zur Paarungszeit von Ende April bis Ende Mai leuchtend grün gefärbt. Die Unterseite von Männchen ist grünlich mit schwarzen Flecken oder Punkten, die der Weibchen gelblich bis beige und nicht immer gefleckt. Neben vielfältig, aber durchaus typisch gefärbten Tieren kommen weitere Farbvarianten wie einheitlich dunkel gefärbte Tiere, einheitlich braun gefärbte Weibchen oder rotrückige Exemplare mit durchgehend rotbraun oder braun gefärbten Rücken vor.

Verbreitung und Lebensräume

Die Verbreitung der Zauneidechse reicht von Südschweden und Südengland im Norden bis Zentralgriechenland im Süden und von Zentralfrankreich im Westen über ganz Mitteleuropa bis nach Zentralasien am Baikalsee in Sibirien im Osten. Innerhalb des Verbreitungsgebietes ist das Klima meist gemäßigt, es werden an den Rändern aber auch zum Teil kaltgemäßigte und subtropische Regionen bewohnt, wobei die nördlichsten Standorte wärmebegünstigt sind, die südlichsten hingegen in höheren Lagen von Gebirgen liegen. Bei der Verbreitung werden mehrere Unterarten unterschieden, die teilweise umstritten sind.

Die Flanken erwachsener Männchen sind zur Paarungszeit von Ende April bis Ende Mai leuchtend grün gefärbt.

Die Zauneidechse ist in ganz Deutschland verbreitet, wobei die meisten Vorkommen im Flach- und Hügelland liegen. Im Norden ist die Verbreitung lückenhafter und es werden wärmebegünstigtere Standorte besiedelt, im Süden ist die Verbreitung mehr oder weniger geschlossen. Besiedelt werden Magerbiotope wie trockene Waldränder, Bahndämme, Heideflächen, Dünen, Steinbrüche, Kiesgruben, Wildgärten und ähnliche Lebensräume mit einem Wechsel aus offenen, lockerbödigen Abschnitten und dichter bewachsenen Bereichen. Wichtig sind auch Elemente wie Totholz und Altgras.

Als Tages- oder Nachtverstecke werden Mäuselöcher und andere Erdbaue, Holz- oder Steinhaufen, Schotterkörper von Bahnanlagen, Mauerritzen, Baumhöhlen, Altgrasfilze und ähnliches genutzt. Auch die Überwinterung erfolgt in diesen Bereichen. Bei großer Hitze, schlechtem Wetter sowie nachts verkriechen sich Zauneidechsen in ihren Unterschlüpfen.

Biologie und Lebensweise

Zauneidechsen sind wechselwarme (ektotherme) Tiere und somit von ihrer Umgebungstemperatur abhängig.
Zauneidechse auf einem Stein in der Sonne.


Zauneidechsen sind wechselwarme (ektotherme) Tiere und somit von ihrer Umgebungstemperatur abhängig. Im Frühjahr ab Anfang März erscheinen zunächst die Jungtiere und Männchen aus ihrem Unterschlupf, gefolgt von den Weibchen einige Wochen später. Bald darauf beginnt die Paarungszeit, die sich etwa von Ende April bis Ende Mai erstreckt. 

Die trächtigen Weibchen verbringen viel Zeit in der Sonne und fördern so die Reifung der Eier (meist 4–15, je nach Größe beziehungsweise Alter des Weibchens). Die Eier werden dann in der Regel zwischen Ende Mai und Anfang August in selbst gegrabenen Erdhöhlen an recht offenen und sonnigen Bodenstellen abgelegt, die Inkubationszeit liegt je nach Wetter oft bei 1,5–2,5 Monaten.

Die ersten Schlüpflinge sind oft ab Mitte Juli zu beobachten, der Hauptschlupf erfolgt meist Mitte August bis Anfang September. Bei günstigen Bedingungen erfolgen auch zwei Gelege hintereinander. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Männchen oft bereits wieder in ihrem Winterquartier, das aufgesucht wird, sobald eine ausreichende Energiereserve angelegt wurde. Die Weibchen und Jungtiere ziehen sich meist Ende August oder im September zurück. 

Das Beutespektrum der räuberischen Zauneidechsen variiert je nach Nahrungsangebot und besteht vor allem aus Insekten, beispielsweise Heuschrecken, Zikaden, Käfer und deren Larven, Wanzen, Ameisen sowie Spinnen und Regenwürmer.

Das Beutespektrum der räuberischen Zauneidechsen variiert je nach Nahrungsangebot und besteht vor allem aus Insekten, beispielsweise Heuschrecken, Zikaden, Käfer und deren Larven, Wanzen, Ameisen sowie Spinnen und Regenwürmer. Sie trinken von Tau- und Regentropfen. 

Zu ihren natürlichen Feinden gehören sowohl viele Vogelarten, als auch Säugetiere wie Füchse und Marder oder andere Reptilien wie Schlingnattern. Bei Bedrohung kann die Eidechse einen Teil des Schwanzes an einer von mehreren „Sollbruchstellen“ abwerfen; der abgeworfene Teil lenkt mögliche Verfolger durch starke Bewegungen ab. Später bildet sich der fehlende Schwanzteil neu aus, ist aber kürzer als der alte.

Gefährdung

Die Zauneidechse ist von der zunehmenden Monotonisierung der Landschaft (Begradigung und damit Verkürzung von Wald-Offenland-Grenzen, Verlust von „Ödland“ und Übergangs-bereichen, immer größere landwirtschaftliche Schläge) besonders stark betroffen. Bestehende (Teil-)Lebensräume werden verkleinert und voneinander isoliert, zum Beispiel durch den Bau von Straßen, Wirtschaftswegen oder Lärmschutzwänden an Verkehrswegen. Flurbereinigungen und Änderungen in der Landwirtschaft führen noch immer zum Verlust oder Verschmälerung von Säumen, breiteren Randstreifen, Brachen und Ruderalfluren. Nicht selten verbuschen oder bewalden die Lebensräume der Zauneidechse durch fehlende Offenhaltung (Pflege oder Nutzung).

Die Zauneidechse gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) Deutschlands und als Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie der EU als streng geschützt. Außerdem steht sie auf der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschlands auf der Vorwarnliste.

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