Zwergfledermaus

Pipistrellus pipistrellus

Aussehen

Die Zwergfledermaus gehört mit einem Gewicht von 3,5 bis 8 Gramm und einer Flügelspannweite von 180 bis 240 mm zu den kleinsten Fledermausarten Deutschlands. Charakteristische Merkmale sind unter anderem die rot-, fahl- bis tiefbraune Färbung der Oberseite und die etwas hellere Färbung der Unterseite. Sie hat kurze, dreiecksförmige Ohren, einen kurzen, leicht nach innen gekrümmten Tragus und schwarzbraune Häute. Damit hat sie eine große Ähnlichkeit mit der Mückenfledermaus.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Zwergfledermaus erstreckt sich von fast ganz Europa bis Nordafrika. In Deutschland ist sie flächendeckend verbreitet und gilt somit vermutlich als die häufigste Fledermausart hier. In Süd- und Mitteleuropa gilt sie als ortstreu. Allerdings gibt es auch Ausnahmen im Norden, wo Einzeltiere oder Gruppen von Tieren zwischen Sommer- und Winterquartieren wechseln. Dabei legt die Zwergfledermaus bis zu 1000 km zurück.

Biologie und Lebensweise

Ihre Rufe liegen bei einer Frequenz zwischen 40 bis 51 kHz. Die Quartiere der Zwergfledermaus befinden sich meist in Gebäuden innerhalb von Siedlungen. Dort jagt sie entlang von Gebäuden, Straßen, Park- und Gartenanlagen, aber auch über Gewässern, entlang von Waldrändern und Waldwegen. Mit dem Beginn der frühen Abenddämmerung verlassen Zwergfledermäuse ihre Quartiere und fliegen in einer Höhe von 5 bis 20 m. Zu ihrem bevorzugten Nahrungsspektrum gehören ausschließlich flugfähige Insekten, wie zum Beispiel Zuckmücken, Köcherfliegen und Käfer, wobei sich das Jagdgebiet meist an Gewässern und am Rand von Gehölzen befindet.

Das Jagdgebiet befindet sich im Sommer in der Nähe zu den Wochenstubenquartieren, wobei die Winterquartiere bis zu 50 km von diesen entfernt liegen können. Die Größe des Jagdgebietes liegt ca. bei 19 ha mit einem Aktionsraum von maximal 1,3 km2.

Die Wochenstubenquartiere liegen meist an oder in Bauwerken wie zum Beispiel an Fensterläden oder bei Flachdächern unter Dachpappen. In Mitteleuropa werden meist 2 Junge geboren (oft Zwillinge von Westen nach Osten zunehmend) und das einmal pro Jahr. Die Anzahl an Individuen in den Wochenstuben liegt unter 100 Tieren und meist zwischen 10 und 50. Es sind allerdings auch Kolonien bekannt, welche 250 Tiere umfassen. In den Männchenquartieren befindet sich meist nur ein Individuum, wobei die Quartiere im Winter stark besetzt sein können.

Abhängig von der jeweiligen Witterung wandern die ersten Zwergfledermäuse bereits im Januar aus den Winterquartieren ab. Von Februar bis April verlassen auch die restlichen Tiere ihre Winterquartiere. Im April bis August versammeln sich die Weibchen in ihren Wochenstubenquartieren, um ihre Jungen zu bekommen, wobei die Jungenaufzucht maximal 4 Wochen andauert. Ab Mitte August werden die Wochenstuben wieder aufgelöst und es sind in den Quartieren fast nur noch Jungtiere anzutreffen. Die adulten Weibchen werden von den Männchen in Paarungsquartiere gelockt, wobei Verpaarungen auch noch in Winterquartieren stattfinden oder nach der Beendigung des Winterschlafs. Ab Anfang November beginnt schließlich der Herbsteinflug zur Überwinterung in den Winterquartieren.

Gefährdung

Die Winter- und Wochenstubenquartiere liegen vor allem in Siedlungsgebieten von Menschen, dadurch ist die Zwergfledermaus besonders durch Quartierzerstörung durch Renovierungsarbeiten stark betroffen. Ebenfalls gefährdet ist sie durch Lebensraumverluste, zum Beispiel durch die Zusammenlegung von kleineren Äckern zu größeren zum Anbau von Mais oder Raps, wodurch kleinräumig gegliederte insektenreiche Kulturlandschaften zerstört werden oder durch die Entnahme von bestehenden Tot- und Altholzbeständen in Auen- und Feuchtwäldern. Außerdem ist die Zwergfledermaus vom Verlust von Jagdgebieten betroffen, da Auenwälder vermehrt verschwinden oder Feuchtgebiete und kleinere Gewässer in Wäldern und Kulturlandschaften trocken gelegt werden. Ebenso wurden natürliche und naturnahe und gehölzreiche Waldränder reduziert, in denen die Zwergfledermaus jagt. Eine Gefährdung geht auch vom Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in Forst-und Landwirtschaft aus. Einerseits findet die Zwergfledermaus dadurch weniger Nahrung und andererseits kommt es zur Anreicherung von Giftstoffen im Körper. Zudem kommt es zu Kollisionen im Straßenverkehr (Zwergfledermaus häufigstes Verkehrsopfer) und Windkraftanlagen durch direkte Kollision mit Rotorblättern und Schädigung der inneren Organe durch Barotrauma (durch starke Druckveränderung im Einflussbereich der Rotorblätter).

Zum Schutz der Zwergfledermaus werden entsprechende Maßnahmen zum Erhalt der Art empfohlen, wie zum Beispiel den Erhalt und die Entwicklung von Feuchtgebieten und kleineren Gewässern in der Land- und Forstwirtschaft zur Absicherung der Nahrungsgrundlage. In Deutschland ist die Zwergfledermaus im Anhang IV der FFH-Richtlinien aufgeführt und daher nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Auf der Roten Liste in Deutschland gilt sie als ungefährdet und nach der IUCN ist sie als „least concern“ nicht gefährdet eingestuft.

Kommentare sind geschlossen.