Blindschleiche

Anguis fragilis

Aussehen

Die westliche Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine Echsenart innerhalb der Schleichen. Neben dem leichten Abbrechen des Schwanzes an einer von mehreren Sollbruchstellen ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu den Schlangen das Vorhandensein von beweglichen Augenliedern und das Fehlen einer Lücke in der Oberlippe, sodass die Blindschleiche zum züngeln ihren Mund leicht öffnen muss. 

Blindschleichen sind an der Oberseite braun, grau oder gelblich gefärbt. Diese Färbung kann mit dunklen Punkten oder Linien durchsetzt sein.
Blindschleichen erreichen eine Gesamtlänge von bis zu 50 Zentimetern, wobei die Kopf-Rumpflänge bis zu 22 Zentimeter beträgt.

Blindschleichen erreichen eine Gesamtlänge von bis zu 50 Zentimetern, wobei die Kopf-Rumpflänge bis zu 22 Zentimeter beträgt. Sie sind an der Oberseite braun, grau oder gelblich gefärbt. Diese Färbung kann mit dunklen Punkten oder Linien durchsetzt sein. An den Seiten verlaufen oft vier bis sechs dunkle Längsstreifen, die auch miteinander verschmelzen können. In der juvenilen Phase ist die Farbe und Zeichnung kontrastreicher; vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze verläuft mittig eine dunkle Linie, die Seiten sind ebenfalls dunkler und deutlicher abgesetzt als beim adulten Tier. Hin und wieder kommt auch Melanismus vor.

Der kleine Kopf ist ohne Übergang mit dem kreisrunden, meist stark glänzenden Körper verbunden. Dieser endet im ebenfalls nicht abgesetzten Schwanz mit horniger Spitze. Die glatten Schuppen des Körpers sind an Rücken und Bauch etwa gleich geformt und überlappen sich dachziegelartig. Am Kopf sind diese, wie bei den Eidechsen, größer als am Rest des Körpers.

Verbreitung und Lebensräume

Neben der Unterteilung in eine westliche (Anguis fragilis) und eine östliche Unterart werden noch drei weitere Unterarten der Blindschleiche unterschieden. Die Westliche Blindschleiche kommt vom Norden der Iberischen Halbinsel bis ins östliche Mitteleuropa vor. Außerdem sind Großbritannien, Dänemark und Südschweden besiedelt. In Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien überschneidet sich das Vorkommen mit der Östlichen Blindschleiche. 

Manche Blindschleichen (Anguis fragilis) zeigen blaue Flecken.

In Deutschland kommt somit ausschließlich die Westliche Blindschleiche vor. Sie ist in fast allen Regionen vertreten und fehlt lediglich in den Marschgebieten sowie auf den meisten Nordseeinseln. 

Blindschleichen nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope, sind jedoch häufig in dichten Laubwäldern und an deren Rändern, an Hecken und an Moorrändern zu finden. Sie kommen aber auch in Heiden, Brachen, Wiesen, Bahndämmen, Wegrändern und Parks vor und bevorzugen demnach deckungsreiche, krautige Vegetation. Im Hinblick auf die Bodenfeuchte sind sie nicht wählerisch. 

Biologie und Lebensweise

Blindschleichen verstecken sich gerne unter Baumwurzeln, Holz- oder Steinstapeln, in Komposthaufen oder in Erdlöchern und überwintern in diesen auch, häufig mit mehreren Artgenossen. Oft werden auch selbst unterirdische Gänge gebohrt und mit Moos oder Erde verschlossen, um in diesen den Winter zu verbringen. Ab Anfang April verlassen sie ihre Winterquartiere, um sich zu paaren. Anschließend trägt das Weibchen acht bis zwölf Eier für 11 bis 14 Wochen aus, woraufhin die Jungen zwischen Mitte Juli und Ende August kurz nach der Ablage ausschlüpfen (Ovoviviparie). 

Die tagaktiven Blindschleichen jagen sowohl in den frühen Morgenstunden als auch in der Abenddämmerung und verstecken sich den Rest des Tages. Die Morgen- und Abendstunden werden auch zur Thermoregulation genutzt, bei der sich die Tiere auf Wärme abstrahlende Oberflächen wie Asphalt legen.

Gefressen werden vor allem Regenwürmer, Nacktschnecken und unbehaarte Raupen, sowie Asseln, Heuschrecken, Käfer, Blattläuse und Ameisen. 

Blindschleichen nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope, sind jedoch häufig in dichten Laubwäldern und an deren Rändern, an Hecken und an Moorrändern zu finden.

Fressfeinde der Blindschleiche sind Schlangen, zahlreiche Säugetiere wie Fuchs, Dachs und Igel und verschiedene Vögel. Auch Hauskatzen und Hunde sind eine Gefahr für die Blindschleichen. Beim Ergreifen können sie sogar mehrfach einen Teil ihres Schwanzes abwerfen, der, sich windend, den Angreifer ablenkt. 

Im Oktober ziehen sich die Blindschleichen in ihr Winterquartier zurück. 

Gefährdung

Die Blindschleiche gehört zu den Reptilienarten, für die Deutschland mit Blick auf die Gesamtverbreitung in hohem Maße verantwortlich ist, denn mehr als 10 % des Gesamtareals liegen in Deutschland. Weiterhin zählt die Blindschleiche nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den „besonders geschützten Arten“ (BNatSchG § 44). In der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) wird sie hingegen nicht geführt. In ihrem gesamten europäischen Verbreitungsgebiet gilt die Blindschleiche als nicht gefährdet. Auch in der Bundesrepublik Deutschland wird sie in der aktuellen Roten Liste als ungefährdet eingestuft, ebenso in vielen Bundesländern. Allerdings steht sie in vier Bundesländern bereits auf der Vorwarnliste. In zwei Bundesländern (Berlin und Mecklenburg-Vorpommern) wird sie als „gefährdet“ und in Schleswig-Holstein sogar als „stark gefährdet“ gelistet. Dies belegt, dass eine grundsätzliche Gefährdung der Blindschleiche durchaus besteht, zumal wenn man berücksichtigt, dass die Roten Listen einzelner Bundesländer bereits über 15 Jahre alt sind und einer dringenden Aktualisierung bedürfen.

Die Blindschleiche ist in erster Linie durch die Zerstörung beziehungsweise negative Veränderungen ihrer Lebensräume gefährdet, zum Beispiel Eutrophierung durch Düngereintrag (Überdüngung), Verschattung halboffener Habitate durch natürliche Sukzessionsprozesse, Siedlungs- oder Straßenbau.

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