Haselmaus

Muscardinus avellanarius

Die Haselmaus ist ein nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche (Gliridae). Ihr Körper ist typisch für kleine Nagetiere und ähnelt in Größe und Form einer Echten Maus (z.B. Waldmaus). Er misst nur circa 7 Zentimeter, ist also in etwa daumenlang. Der Schwanz ist, anders als bei Mäusen, dicht behaart und in etwa genauso lang wie der Körper. Die Haselmaus wiegt 15 bis 40 Gramm und das Fell ist unterseits gelbbräunlich, oberseits rotbräunlich, mit einem weißen Fleck an Kehle und Brust. Auch rein weiße und schwarze Tiere wurden nachgewiesen. 

Die Haselmaus kommt in strauchartenreichen Waldsäumen sowie in Hecken- und Knicklandschaften vor, wobei aber Früchte und/oder Nüsse tragende Sträucher und Bäume notwendig sind. Dornensträucher bieten dabei den besten Schutz (Rosen, Brombeeren, Schlehen, Weißdorn). Haselmäuse sind gute Kletterer und in der Vegetationsperiode fast nie am Erdboden anzutreffen; selbst kurze gehölz- und vegetationsfreie Bereiche von rund 10 m Länge können Ausbreitungsbarrieren bilden, wobei aber auch Gehölze in Verkehrsinseln durch Haselmäuse besiedelt werden. Auch artenreiche, lichte Bestände und Verjüngungsphasen innerhalb von Waldflächen können besiedelt werden. 

Das Verbreitungsgebiet der Haselmaus liegt vornehmlich in Mittel- und Südeuropa und erstreckt sich von Mitteldeutschland bis Sizilien und vom Süden Großbritanniens bis nach Russland. Die Iberische Halbinsel und die meisten Mittelmeerinseln sind jedoch nicht besiedelt. In Südosteuropa sowie von Nordostdeutschland bis in die Baltischen Republiken ist die Verbreitung inselhaft.

Die Haselmaus hält einen echten Winterschlaf, bei dem die Körpertemperatur deutlich reduziert wird. Eingerollt und bewegungsunfähig zehrt sie in dieser Zeit von den Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen hat. Auch in der Vegetationsperiode verfällt die Haselmaus bei niedrigen Temperaturen in einen Tagestorpor, aus dem sie jedoch bei Gefahr nicht rechtzeitig erwachen kann. Nur zwischen April und Oktober sind Haselmäuse regelmäßig aktiv.

Als Tagesschlafplätze und für die Jungenaufzucht werden oft faustgroße, kugelförmige Nester (Kobel) gebaut, für die die Haselmaus Laubblätter, Gräser und andere geeignete bzw. in der direkten Umgebung verfügbaren Materialien verwendet. Es werden aber auch Baumhöhlen oder Nistkästen besiedelt.

Zum Winterschlaf, der frühestens ab Oktober beginnt und bis Ende April geht, nutzt die Haselmaus Laubnester, die sie am Boden in der Vegetation, im Laub, zwischen Wurzeln, an Baumstümpfen, in Baumlöchern oder in frostsicheren Erdhöhlen anlegt. 

In freier Wildbahn werden Haselmäuse drei bis vier, maximal bis zu sechs Jahre alt. Mit einem Jahr sind sie geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von 22 bis 24 Tagen wirft das Haselmausweibchen zwei bis fünf Junge. Zum Säugen besitzt sie vier Paar Zitzen, an denen die Jungen etwa einen Monat saugen. Nach etwa 40 Tagen bei der Mutter suchen sie eigene Reviere und Nester auf. Das Revier der Haselmaus hat einen Radius von etwa 150 bis 200 Metern.

Haselmäuse zählen zu den Allesfressern und ernähren sich von Knospen, Samen, Beeren, Insekten, Vogeleiern, kleinen wirbellosen Tieren, Walnüssen und Haselnüssen. 

Fressfeinde der Haselmaus sind Rotfuchs, Mauswiesel und Hermelin sowie Greifvögel und Eulen. Haselmäuse können ihre Schwanzhaut abstreifen, wenn sie von einem Räuber am Schwanz gepackt werden, und auf diese Weise entkommen. Der übrige nackte Teil der Wirbelsäule vertrocknet und fällt schließlich ab oder wird von der Haselmaus abgenagt. Anders als bei Eidechsen kann der Schwanz nicht regeneriert werden, am Stummel wachsen jedoch buschige Haare nach.  

In Hecken oder Knicks lebende Haselmäuse sind besonders durch das Schlegeln und Schreddern von Hecken in der Vegetationsperiode oder die Entfernung von Hecken bzw. von deren Anbindung an Waldstrukturen gefährdet. 

In der weltweiten Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN ist sie als „nicht bedroht“ aufgeführt. Durch die Zerstörung und Zerstückelung der Lebensräume ist sie im nördlichen Europa (England und Wales, Schweden, Deutschland, Dänemark) jedoch seltener geworden. Die Haselmaus ist in den EU-Mitgliedstaaten in Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet. 

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